Radfahren

1. Konditionelle Voraussetzungen/Technik

Die Kondition (lateinisch: conditio = Bedingung für etwas) beim vergleichsweise wenig Fähigkeiten und Eigenschaften, wenn eine angebrachte Trainingsbelastung gewählt wird und sich eine gesundheitsfördernde Wirkung einstellt. Trainierbare Grundlage sind die Ausdauer und eher im Profibereich die Antrittsschnelligkeit und die Kraftausdauer. Für den Breitensport sind im wesentlichen die richtige Sitzhaltung, die richtige Tretbelastung und die richtige Kleidung entscheidend. Das richtige Rad findet ein jeder je nach persönlichem Radelgeschmack, wobei dies meist aus dem Bauch heraus entschieden wird. Wichtig ist hier die Selbsteinschätzung des Sportlers. Der Senior im Stadtverkehr z.B. braucht eher keine Clickpedale. So eignet sich das Rennrad für lange Touren vorwiegend auf der Straße, wo Geschwindigkeit und geringer Rollwiderstand bei gleichzeitig geringem Eigengewicht des Fahrrads zählen. Bei schneller Geschwindigkeit sind natürlich entsprechend schnelle Reflexe, gute Sinne (Sehen und Hören) erforderlich, um ggf. schnell zu reagieren. Das gilt insbesondere, wenn in der Gruppe gefahren wird mit nur wenigen Dezimeter langem Abstand. Hier ist ein nicht wacher Fahrer schnell der Verursacher eines Massensturzes. Für Naturliebhaber, die sich gerne mal querfeldein bewegen, ist das Moutainbike die ideale Bewegungsmaschine. Auf Trails sind allerdings gutes Gleichgewichtsgefühl, ebenfalls schnelle Reflexe und v.a. bei feuchtmatschigem Untergrund gute Ausdauer erforderlich. Mittelding zwischen beiden extremen sind das Citybike (eher für die Stadt) oder das Trekkingrad (auch mal fürs Gelände), die mit aufrechterer Sitzhaltung und angenehmerer gemütlicher Fahrweise überzeugen. In den Nuancen unterscheiden sie sich geringfügig. Die technische Ausstattung ist sehr variabel wählbar, was die Anzahl der Gänge und die Art des Bremssystems z.B. betrifft.

2. Training

Die Zielsetzung beim Radsport richtet sich nach dem Athleten und dessen Einstellung zur eigenen Leistungsfähigkeit. Im Breitensport ist das Radfahren bei vielen chronischen Krankheiten, die sich an der Inaktivität der Betroffenen oftmals festmachen lässt, ist der Radsport sehr nützlich und therapeutisch empfehlenswert. Individuelle Empfehlungen gibt Ihnen Ihr Sportarzt im Rahmen der Untersuchung (Fitness-Check). Besonders hoch ist der Nutzen beim Asthmapatienten, wobei besonders hier eine gute Kooperation zwischen Patient und Arzt angestrebt werden sollte. Birgit Fischer sicherte sich als Kanutin mit 8 Goldmedaillen bei Olympia eine stolze Menge an sportlichen Auszeichnungen. Leistungssportler im Radsport leiden auch häufig unter zumindest allergischem Asthma, welches aber gut behandelbar ist im Allgemeinen. Im Leistungssport werden die Radsportler ohnehin einem regelmäßigen sportmedizinischen und orthopädischem Checkup unterzogen. Für die Trainingssteuerung ist die Fahrradergometrie, wie wir Sie im Rahmen unseres Leistungstests anbieten wahlweise mit und ohne Bestimmung des Laktatwerts sehr hilfreich und wegweisend. Dabei werden das EKG und der Blutdruck kontinuierlich aufgezeichnet. Herzrhythmusstörungen können hierbei bei Risikopatienten auch vorzeitig beobachtet werden. Die anaerobe Schwelle, die beim Radsport bei 3 mmol/l Laktat liegt, kann bei diesem Test ermittelt werden. Anhand dessen kann eine Trainingssteuerung erfolgen. Für den Breitensportler ist vor allem das Training zur Regeneration (40-50% der Maximalleistung) interessant. D.h. entscheidend ist, dass die Patienten zu hohe Intensitäten meiden. Dies gilt insbesondere für ältere Patienten. Über- und Untertraining sind ungünstig. Wiederholung führt zum Training und zur Leistungssteuerung; Reflexe und kontinuierliche Bewegungsabläufe gehen in Fleisch und Blut über. Grundlage dessen sind allerdings die Bestimmung der Meßwerte Laktat, Puls, Blutdruck. Anhand dieser Werte kann das Training sinnvoll und produktiv gesteuert werden. Im Verlauf entwickelt dann jeder Radfahrer ein eigenes Gefühl für seinen Körper, seine Beine und seine Tagesform. Was dann für das System Körper-Rad-Fahrbahn das beste ist lässt sich durch das gute Körpergefühl einzig und am besten beurteilen. Aufwärmen und Dehnen ist am Beginn eines jeden Trainings ein Muss und Abwärmen am Ende ebenso. Professionelle Sportler zeichnen sich dadurch aus, dies regelmäßig zu tun. Ein betontes Training auch des Oberkörpers und Rücken gehören auch auf jeden Trainingsplan eines Radsportlers.

3. Verletzungsrisiko

Radunfälle sind in Deutschland nicht selten und zu hunderten enden sie pro Jahr auch tödlich. Im Leistungssportbereich hat etwa jeder 14. Athlet pro Jahr einen Unfall. Üblicherweise kommt es zu Prellungen, Schürfungen und Knochenbrüchen sowie Gehirnerschütterungen. Aber auch Schädelbasisbrüche und Querschnittslähmungen sind oft bei ungeschickten Bedingungen möglich. Insbesondere wenn kein Helm getragen wird, sind Verletzungen am Kopf oft sehr ernsthaft, weshalb wir dringend und immer das Tragen eines modernen, auf dem Kopf angepassten Helm empfehlen. Bei den Knochen brechen üblicherweise das Schlüsselbein oder die Unter- bzw. Oberarme sowie die Mittelhandknochen und Schulterblätter. Nutzen Sie bei Verletzungen unsere Sportlersprechstunde Montag bis Freitag von 7:30-8:00 Uhr, wo wir sie schnell versorgen und bei Bedarf direkt weiter überweisen für Untersuchungen oder fachärztliche Behandlungen.

4. Überlastungsschäden

SITZPOSITION, OBERKÖRPER & MUSKULATUR
Problemzonen beim Radsport sind der gesamte Bewegungsapparat bedingt durch die vorgegebene Haltung. Sitzbeschwerden können durch das Verwenden geeigneter Sättel und Hosen mit Ledereinlagen vermindert werden. Trotzdem treten hier nicht selten Furunkel und Wundflächen auf. Abszesse, Blut im Urin und Hodenschmerzen sind keine Seltenheit. Anfängliche Schmerzen über den Sitzbeinen können im Verlauf des Trainings verschwinden. Dennoch sollte besonders bei empfindlicher Haut und Übergewicht auf vorbeugende Maßnahmen bei der Wahl von Sattel und Bekleidung geachtet werden. Auch kann es z.B. zu Schleimbeutelentzündungen im Sitzbeinbereich kommen.

Muskelkrämpfe, die oft durch Magnesium-, Kalium- und Flüssigkeitsmangel entstehen, können durch Zufuhr eben dieser Stoffe vermindert und vorgebeugt werden. Rückenschmerzen durch Verspannungen, kleine Blockierungen und Knochenreizungen bei langen kalten Abfahrten z.B. sind häufig. Hiergegen helfen Yoga und Stretching sowie die optimale Anpassung der Sitzposition. Je steiler die Sitzposition desto entspannter ist die Muskulatur an Rücken und Nacken. Wärmebehandlungen lindern durch Kälte verursachte Beschwerden. Nackenschmerzen können ebenso oft auftreten und besonders je flacher die Oberkörperhaltung auf dem Rad ist.

Bezüglich der Sitzposition gilt das gleiche wie beim Rücken. Lockerung der Arme und Schultern während des Fahrens sind hilfreich. Stretching, Kräftigungsübungen und Dehnung sowie Massagen des Nackens können die Beschwerden lindern. Mit dem Training gewöhnt sich der Nacken immer mehr an die Haltung. Unterarmprobleme durch die starre Haltung bis hin zum Tennisellenbogen sind bei Radfahrern oft zu finden; besonders bei Rennradfahrern. Nervenschädigungen durch Drucksituationen bis hin zum sogenannten Karpaltunnelsyndrom bei ständig überstreckter Haltung im Handgelenk sind nicht selten.

ÜBERLASTUNG DER BEINE
Besonders bei hart aufgepumpten Rennradreifen auf unruhigem Untergrund kommt es im Rahmen dessen nicht selten zum Kribbeln und Gefühlslähmungen im Bereich der Hände und Unterarme. Knieschmerzen treten meist nur im Rahmen von Sehnenreizungen und Schleimbeutelentzündungen auf. Schmerzen im Bereich der Innenseite sind meist ein Zeichen der Überlastung durch Übertraining. Schmerzen im Bereich der Außenseite ist meist ein Hinweis auf technische Fehler in der Haltung und Einstellung der Sitzposition.

Ansonsten ist der Radsport bzw. das Radfahren eine sehr gelenkschonende Sportart. Sie eignet sich auch als Alternativsportart für andere Laufsportler bei kleineren Verletzungen, um die körperliche Fitness der Muskulatur zu erhalten. Zur Überlastung der Achillessehne kann es beim Übertraining ebenfalls kommen.

FÜSSE UND ERSTER HALSWIRBEL
Entscheidend sind die Füsse, denn Fußfehlformen können zu Reizungen an der Schienbeinkannte, der Hüfte, der Becken oder Knie und Knöchel führen. Alle Schwierigkeiten am Nacken-Schulterbereich sind oft und insbesondere bei gleichzeitig oft verstopfter Nase mit einer Fehlstellung des ersten Halswirbels, dem Atlas, assoziiert. Auch dieser sollte Bestandteil von Diagnostik und Therapie sein.

5. Vorbeugung

Das A&O der Vorbeugung o.g. Verletzungen und Überlastungsschäden ist das Antrainieren einer guten Athletik. Dies betrifft die Beine wie auch den Oberkörper. die entscheidenden Hinweise haben wir oben unter dem Punkt 4 bereits gegeben. nach oben

6. Diagnostik

Bei Radunfällen stehen uns neben der detaillieren klinischen Untersuchung durch den Arzt mit Augen und Händen vielerlei technische Methoden zur Verfügung.

Technische Bildgebende Verfahren

Ultraschall

Die Ultraschalluntersuchung ist eine schnell einsetzbare und strahlungsfreie Methoden zur Diagnostik von Muskeln, Gelenken und Inneren Organen des Bauchs bei Prellungen z.B. der Flanken.

Röntgen

Zur Darstellung von Knochen ist dies die Methode der Wahl, in der Brüche diagnostiziert werden können oder Verkalkungen im Rahmen von Arthrosen (Gelenkverschleiß).

Computertomographie(CT)

Im CT können Knochen im Querschnitt dargestellt werden und beurteilt werden. Frakturen, die im normalen Röntgen nicht sichtbar sind, lassen sich so darstellen.

Kernspintomographie-Magnetresonanztomographie (MRT)

Diese Untersuchungsmethode eignet sich besonders zur Darstellung von Weichteilen, also allen Teilen des Bewegungsapparats, die nicht aus Knochen sind (Knorpel, Bänder, Sehnen, Muskel). Sie ist die Methode der Wahl bei verdacht auf Schäden innerhalb des Knies oder der Schulter, wenn diese Gelenke im Ultraschall nicht ausreichend und eindeutig zu beurteilen sind.

Labordiagnostik

Viele Probleme wie Krämpfe, Muskelschmerzen und fehlende Ausdauer können mit einem Mangel an Mikronährstoffen wie Vitaminen oder Spurenelementen einhergehen. Unsere Laborprofile decken diese Defizite auf und lassen im Anschluss eine Zielgerichtete Zufuhr der Nährstoffe zu. Im Rahmen von langfristigen Beschwerden, Verletzungen und Überlastungsschäden kommt der wiederholten Untersuchung durch den Arzt und dem Feedback durch Sie als Sportler eine hohe Bedeutung zu, insbesondere, um den Therapieerfolg zu messen.

7. Therapie

Verhaltensänderung

Der Radsportler sollte auf seinen Körper hören und Schmerzen nicht ignorieren, sondern sich schonen, damit der Körper eine Chance hat, sich zu regenerieren. Eine frühe Vorstellung beim Sportarzt verhindert möglicherweise den langfristigen Verlauf von Beschwerden. Der Sportarzt wird weiterhin konkrete Anregungen zum Aufbautraining, zur Trainingspause oder zu Verhalten geben, die dringend zu verhindern sind aufgrund der bestehenden Beschwerden.

Krankengymnastik

Durch entsprechende Übungen, die in der Krankengymnastik (Physiotherapie) erlernt werden, sollen Beschwerden des Bewegungsapparats gelindert werden. Wichtig ist die regelmäßige Durchführung der Übungen über einen langen Verlauf besonders bei chronischen Problemen.

Medikamente

Bei Bedarf sind Medikamente indiziert zur Unterstützung der Selbstheilung. Wir empfehlen homöopathische und regenerierende Medikamente wie z.B. Hyaluronsäure zum Knorpelaufbau bei chronischen Kniebeschwerden wegen beginnender Kniearthrose. Schmerzmittel und Kortison können im Einzelfall eingesetzt werden, sind aber kritisch zu bewerten, da sie den Schutzmechanismus des Körpers ausschalten und letzteres auf der Dopingliste steht. Der Zufuhr von Mikronährstoffen bei entsprechendem Mangel kommt auch eine hohe Bedeutung zu, um die Regeneration, die Ausdauer und die Leistungsfähigkeit zu steigern. Insbesondere bei häufigen Muskelkrämpfen empfehlen wir diese Spezialdiagnostik.

Bandagen

In Einzelfällen können Bandagen an Gelenken oder dem Rücken sinnvoll sein.

Chiropraktik

Bei Blockierungen im Bereich des Rückens setzen wir diese Methoden gerne ein, um punktuelle Schmerzen, die dadurch verursacht werden effektiv zu lindern. Oft geben wir im Rahmen dessen Hinweise zum Abbau von muskulären Defiziten im Bereich des Oberkörpers.

Neuraltherapie, homöopathisch

Sie dient der Schmerztherapie durch lokale Infiltration von Komplexhomöopathika und einem lokalen Betäubungsmittel und kann der schnelleren Heilung bei Reizzuständen von Sehnen, Muskeln und Gelenken dienen.

 

Akupunktur

Sie dient der Schmerztherapie und kann auch der Leistungssteigerung dienen.

Kinesiologie und Kinesiotape

In idealer Ergänzung zur Chirotherapie entwickelte ein Arzt in Japan die Kinesiologie und das Kinesiotape. Durch diese Methode soll eine Normotonisierung der verspannten oder verkürzten Muskeln erfolgen und die durch die Manuelle Medizin hergestellte Geradlinigkeit im behandelten Bereich des Körpers unterstützt und erhalten werden. 24 Stunden am Tag für 5-7 Tage mindestens.

Stromtherapie

Durch die Anwendung niederfrequenter Ströme können Schmerzen therapiert werden und es können im Rahmen der Iontophorese Schmerzmittel in den Muskel gebracht werden.