Handball

1. Konditionelle Voraussetzungen

Die Kondition (lateinisch: conditio = Bedingung für etwas) beim Handballspieler umfasst vielerlei Fähigkeiten und Eigenschaften. Entscheidendes Merkmal des Sports ist die starke Athletik mit gleichzeitigem Laufen, Springen und Werfen. Trainierbare Grundlage all dieser Fähigkeiten sind die Ausdauer, die Antrittsschnelligkeit und die Athletik. Mitbringen sollte der Spieler den Willen und den Intellekt, im Wettkampf erfolgreich zu sein. Aufbauend darauf lassen sich weitere Fähigkeiten wie Koordination, Bewegungsfertigkeiten, Taktik und Soziale Fähigkeiten (Mannschaftssport!) entwickeln. Denn wie sollte die schnellen Mitte realisiert werden, wenn nicht die notwendigen athletischen Voraussetzungen vorhanden sind; welchen Sinn hätte die Weisung „Manndeckung“, wenn der Gegenspieler in puncto Schnelligkeit und Ausdauer in allen Punkten überlegen ist; auf welche Weise sollte schließlich ein kooperatives Mannschaftsspiel zustande kommen, wenn dem Mitspieler das Erfassen bzw. Umsetzen gegebener Wettkampfsituationen unmöglich ist. Der Handballsport ist in den letzten Jahren sehr viel schneller geworden durch Regeländerungen mit Vorwarnung wegen Zeitspiels und schnelleres Abpfeifen wegen Stürmerfouls. So wurden in der Bundesligasaison 2001/2002 im Vergleich zu 1994/95 in der Konsequenz 8 Tore mehr pro Spiel erzielt.

2. Training

Der Erfolg im Handball ist immer im Training zu suchen. Hier soll eine Verbesserung der Handlungsfähigkeit der Spieler erreicht werden. Neben den Faktoren der Ausdauer und der Antrittsgeschwindigkeit durch entsprechendes Lauf- und Sprinttraining kommt es hier auch auf die Verbesserung der Leistung als Mannschaftsspieler an. Der einzelne hat sich hierbei dem Erfolg der Mannschaft zu verpflichten und hierin unterzuordnen. Im Wettkampf oder Spiel wird der Mannschaft gezeigt, was zu trainieren ist in der weiteren Vorbereitung. D.h., der Analyse von Spielergebnissen kommt eine hohe Bedeutung zu. Kritisch zu beobachten sind Faktoren der Mannschaft als Ganzes und einzelner Spieler. Das Handballspiel zeichnet sich durch eine hohe Geschwindigkeit mit vielen Spielern auf engstem Raum aus. Neben der taktischen Präzision ist es auch entscheidend, dass sich die Spieler gut kennen und Bewegungen des Mitspielers am besten schon im Vorfeld erahnen, um schnelle Tore zu machen. Wichtig ist das Training von Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Taktische Besprechungen sind zwingend erforderlich. Aufwärmen und Dehnen ist am Beginn eines jeden Trainings ein Muss und Abwärmen am Ende (lockeres Auslaufen) und erneutes Dehnen ebenso. Professionelle Mannschaften zeichnen sich dadurch aus, dies regelmäßig zu tun. Nähere wissenschaftliche Ergebnisse zu Aufwärmtraining bei Norwegischen Handballern sind unter unseren Gesundheitslinks aufgeführt.

3. Verletzungsrisiko

Gesteigerte Schnelligkeit und mehr Tempogegenstöße führen zu erhöhter Verletzungshäufigkeit. Bei den Verletzungen handelt es sich meistens um Prellungen (28%), Distorsionen (21%) und Muskelverletzungen (13%), seltener sind Bänderrisse (11%) und Knochenbrüche (7%). Die Verletzungshäufigkeit liegt bei 13,5/1000 Spielerstunden bzw. bei 46-82 % pro Spieler und Jahr. Der Handball bietet ein hohes Verletzungsrisiko besonders von Knöchel (17%), Knie(16%) und Fingern(13%). Schulter (7%) und Ellenbogen (5%) sind seltener betroffen. Besonders Außenbänder des Knöchels, das Vordere Kreuzband und der Innenmeniskus sowie das innere Seitenband des Knies sind häufig verletzt. Ursächlich dafür sind die Bewegungen im Zweikampf, die oft von Dreh- und Scherkräften geprägt sind sowie von abrupten Störungen durch plötzlichen Gegnerkontakt. Der belastete Einbeinstand erfordert im Spiel eine optimale Stabilisierung im Becken-Rumpf-Bereich. Eine verminderte Kontrolle und Stabilität im Becken kann neben Verletzungen auch zu Überlastung der stabilisierenden Muskelgruppen führen. Dies führt dann zu Beschwerden im Bereich der Bauchmuskeln und zu Schmerzen der Oberschenkelmuskulatur, die an der Leiste ansetzt bzw. zur sog. Weichen Leiste. Oft kommt es bei schlecht ausgeprägter Rückenmuskulatur akut zu Blockierungen im Bereich der Wirbelsäule sowie zu chronischen Schmerzen wegen Fehlbelastungen ebendort. Nutzen Sie bei Verletzungen unsere Sportlersprechstunde Montag von 7-9 Uhr, Di-Fr. von 7:30-8:00 Uhr, wo wir sie schnell versorgen und bei Bedarf direkt weiter überweisen für Untersuchungen oder fachärztliche Behandlungen.

4. Überlastungsschäden

In der ersten Bundesliga berichten 37% der Spieler über chronische Probleme mit dem Knie und 32% über chronische Probleme mit dem Rücken. Auffällig ist, dass diese Prozentsätze wesentlich höher sind als für die o.g. akuten Probleme und es sich daher am ehesten um chronische Fehlbelastungsschäden insbesondere am Rücken (der fast nie akut verletzt wird) handelt. Das Knie wegen der häufig laxen Bänder und der Knorpelschäden hinter der Kniescheibe bzw. im Gelenk und oftmals verkürzter oder nicht ausreichend trainierter Muskulatur. Das Problem des Rückens ist oft von einer Muskeldisbalance geprägt. Oft findet man beim Handballer wie bei jedem Laufsportler ein Ungleichgewicht zwischen ausgeprägtem und gut durchtrainiertem Oberschenkelmuskel und schlaffen oder nicht sichtbaren Rücken- und Bauchmuskeln. Das Ergebnis ist oft ein Hohlkreuz; der Sportler sieht so aus als ob er einen Bauch hätte, weil dieser automatisch vorsteht. Blockierungen im Bereich der Wirbelsäule und ein Beckenschiefstand gehen mit dieser Muskeldisbalance oft einher. Der Sportarzt analysiert das und wird neben chiropraktischen Manövern auch Trainingsanleitungen geben mit entsprechenden Hinweisen zu Muskelaufbau- und Dehnübungen. Konsequentes Training des Oberkörpers kann somit diesen Schäden wirksam vorbeugen.

5. Vorbeugung

Das A&O der Vorbeugung o.g. Verletzungen und Überlastungsschäden ist das Antrainieren einer guten Athletik. Bei instabilen Bandverhältnissen an Gelenken, was wir in unserer sportmedizinischen Untersuchung überprüfen, empfiehlt sich das Trainieren der Reflexbögen von Sensoren des Bewegungsapparats und erregenden Nervenfasern der Muskeln (sog. Propriozeption). Wir können mit dieser Propriozeption strukturelle Defizite (z.B. Bänderriss) teilweise ausgleichen. In der Sportmedizinischen Untersuchung weisen wir Sie auf diese Defizite und die damit verbundenen Gefahren hin. Übungen werden demonstriert. Ggf. ist es sinnvoll, Bandagen zu tragen, die ebenfalls die Propriozeption unterstützen können. nach oben

6. Diagnostik

Bei Handballunfällen stehen uns neben der detaillieren klinischen Untersuchung durch den Arzt mit Augen und Händen vielerlei technische Methoden zur Verfügung.

Technische Bildgebende Verfahren

Ultraschall

Die Ultraschalluntersuchung ist eine schnell einsetzbare und strahlungsfreie Methoden zur Diagnostik von Muskeln, Gelenken und Inneren Organen des Bauchs bei Prellungen z.B. der Flanken.

Röntgen

Zur Darstellung von Knochen ist dies die Methode der Wahl, in der Brüche diagnostiziert werden können oder Verkalkungen im Rahmen von Arthrosen (Gelenkverschleiß).

Computertomographie(CT)

Im CT können Knochen im Querschnitt dargestellt werden und beurteilt werden. Frakturen, die im normalen Röntgen nicht sichtbar sind, lassen sich so darstellen.

Kernspintomographie-Magnetresonanztomographie (MRT)

Diese Untersuchungsmethode eignet sich besonders zur Darstellung von Weichteilen, also allen Teilen des Bewegungsapparats, die nicht aus Knochen sind (Knorpel, Bänder, Sehnen, Muskel). Sie ist die Methode der Wahl bei verdacht auf Schäden innerhalb des Knies oder der Schulter, wenn diese Gelenke im Ultraschall nicht ausreichend und eindeutig zu beurteilen sind.

Labordiagnostik

Viele Probleme wie Krämpfe, Muskelschmerzen und fehlende Ausdauer können mit einem Mangel an Mikronährstoffen wie Vitaminen oder Spurenelementen einhergehen. Unsere Laborprofile decken diese Defizite auf und lassen im Anschluss eine zielgerichtete Zufuhr der Nährstoffe zu. Im Rahmen von langfristigen Beschwerden, Verletzungen und Überlastungsschäden kommt der wiederholten Untersuchung durch den Arzt und dem Feedback durch Sie als Sportler eine hohe Bedeutung zu, insbesondere, um den Therapieerfolg zu messen.

7. Therapie

Verhaltensänderung

Der Handballer sollte auf seinen Körper hören und Schmerzen nicht ignorieren, sondern sich schonen, damit der Körper eine Chance hat, sich zu regenerieren. Eine frühe Vorstellung beim Sportarzt verhindert möglicherweise den langfristigen Verlauf von Beschwerden. Der Sportarzt wird weiterhin konkrete Anregungen zum Aufbautraining, zur Trainingspause oder zu Verhaltenweisen geben, die dringend zu verhindern sind aufgrund der bestehenden Beschwerden.

Krankengymnastik

Durch entsprechende Übungen, die in der Krankengymnastik (Physiotherapie) erlernt werden, sollen Beschwerden des Bewegungsapparats gelindert werden. Wichtig ist die regelmäßige Durchführung der Übungen über einen langen Verlauf besonders bei chronischen Problemen.

Medikamente

Bei Bedarf sind Medikamente indiziert zur Unterstützung der Selbstheilung. Wir empfehlen homöopathische und regenerierende Medikamente wie z.B. Hyaluronsäure zum Knorpelaufbau bei chronischen Kniebeschwerden wegen beginnender Kniearthrose. Schmerzmittel und Kortison können im Einzelfall eingesetzt werden, sind aber kritisch zu bewerten, da sie den Schutzmechanismus des Körpers ausschalten und letzteres auf der Dopingliste steht. Der Zufuhr von Mikronährstoffen bei entsprechendem Mangel kommt auch eine hohe Bedeutung zu, um die Regeneration, die Ausdauer und die Leistungsfähigkeit zu Steigern.

Bandagen:

In Einzelfällen können Bandagen an Gelenken oder dem Rücken sinnvoll sein.

Chiropraktik

Bei Blockierungen im Bereich des Rückens setzen wir diese Methoden gerne ein, um punktuelle Schmerzen, die dadurch verursacht werden effektiv zu lindern. Oft geben wir im Rahmen dessen Hinweise zum Abbau von muskulären Defiziten im Bereich des Oberkörpers.

Kinesiologie/Kinesiotape

Die Kinesiologie und das Kinesiotaping sind eine ideale Ergänzung zur Chirotherpie bzw. Manuellen Medizin! nach eingehender Kinesiologischer Testung werden Baumwollklebestreifen mit Acrylkleber zielgerichtet mit Zug aufgeklebt. Die Streifen sind ohne Wirkstoff und halten ca. 5-7 Tage, ggf. auch 2-3 Wochen je nach Verträglichkeit! Im Profisport ist diese Methode sehr beliebt und wird errfolgreich eingesetzt!

Neuraltherapie, homöopathisch

Sie dient der Schmerztherapie durch lokale Infiltration von Komplexhomöopathika und einem lokalen Betäubungsmittel und kann der schnelleren Heilung bei Reizzuständen von Sehnen, Muskeln und Gelenken dienen.

Akupunktur

Sie dient der Schmerztherapie und kann auch der Leistungssteigerung dienen.

Stromtherapie

Durch die Anwendung niederfrequenter Ströme können Schmerzen therapiert werden und es können im Rahmen der Iontophorese Schmerzmittel in den Muskel gebracht werden.